Der Tragschrauber (Gyrocopter)
besitzt oberhalb des Fahrwerks einen kardanisch aufgehängten
Rotor. Der Rotor dreht sich um eine senkrecht stehende Achse (Hochachse).
Durch eine auskuppelbare Wellenverbindung wird der Rotor auf die
zum Start erforderliche Rotordrehzahl gebracht. Sobald die erforderliche
Rotordrehzahl erreicht ist, wird diese Verbindung ausgekuppelt und
die Motorleistung wirkt ausschließlich auf die rückwärtig
platzierte Luftschraube mit waagerechter Drehachse gegeben. Der
Tragschrauber wird horizontal beschleunigt, ab diesem Zeitpunkt
wird der Rotor nur vom anströmenden Fahrtwind in Umdrehung
gehalten. Dieser Betriebszustand wird mit Autorotation bezeichnet.
Der frei im Luftstrom umlaufende Rotor ersetzt einen festen Tragflügel,
hat gegenüber diesem jedoch den Vorteil, dass er auch bei geringer
Fluggeschwindigkeit infolge der Eigendrehung Auftrieb erzeugt.
Warum fliegen Tragschrauber?
Beachten Sie im rechten oberen Bild den schräg gegen den Fahrtwind
geneigten Rotor.
Zum Vergleich die Kräfte, die an einem aerodynamischen Profil
wirken:
Die anströmende Luft (dunkelblau) erzeugt einen Widerstandsvektor
(hellblau) in Anströmrichtung und einen Auftriebsvektor (rot),
der per Definition senkrecht auf der Anströmrichtung steht.
Auftriebs- und Widerstandsvektor spannen ein Parallelogramm auf
und bilden den resultierenden Vektor der Gesamtkraft (grün),
die das Profil bei der Anströmung erzeugt. Bei Flugzeugen mit
Motor wirkt im Horizontalflug der Propellerschub entgegen dem "bremsenden"
Widerstandsvektor.
Wird der Anstellwinkel des Profils jetzt erhöht, ergibt sich
folgendes Bild:
Das Parallelogramm ist also gleich geblieben, lediglich die Beträge
der Kräfte haben sich geändert. Der Widerstandbetrag ist
gewachsen und der Auftriebsbetrag ebenso. Mehr Widerstand bedeutet
mehr erforderliche Motorleistung, mehr Auftrieb bedeutet mehr Steigen
(oder weniger Sinken).
Stellen wir uns vor, die Tragflächen seien nicht fest am Flugzeug
"angeschraubt", sondern über einen Rotorkopf drehbar
gelagert, ergibt sich folgendes Bild:
Der Auftriebsvektor versucht also über seine Komponente in
der Rotorebene das Profil nach oben zu ziehen = das Rotorblatt nach
vorne zu ziehen. Der Rotor wird beschleunigt! Dem entgegen wirkt
die Komponente des Widerstandsvektors in der Rotorebene. Sind beide
Komponenten gleich groß, bleibt die Rotordrehzahl konstant.
Weil Widerstand und Auftrieb untrennbar miteinander gekoppelt sind,
bleibt die Rotordrehzahl während des Fluges weitgehend konstant:
Reduziert sich der Anstellwinkel, sinkt der Widerstand zusammen
mit dem Auftrieb und umgekehrt. Es herrscht Kräftegleichgewicht.
Die Grafik gilt für ein voreilendes Rotorblatt, ein voreilendes
Rotorblatt bekommt mehr Fahrtwind, ein zurückeilendes weniger.
Die Rotordrehzahl muss also so hoch sein, dass auch beim zurückeilenden
Rotorblatt die Anströmgeschwindigkeit noch so hoch ist, so
dass das Blatt keinen Strömungsabriss erleidet, auch nicht
beim Startlauf, wo es durch die Fahrtzunahme des Gesamtsystems noch
weniger "Wind auf die Profilnase" bekommt. Deshalb ist
es zwingend erforderlich, den Rotor vor dem Start über eine
kritische Mindestdrehzahl zu beschleunigen (Vorrotation, von Hand
oder per "Prerotator"). Andernfalls ist kein Start möglich.
Während des Startlaufs beschleunigt der Rotor mit zunehmendem
Fahrtwind solange bis der Auftrieb ausreicht, den Tragschrauber
in die Luft zu heben, genau wie bei einem Flächenflugzeug.
Autorotation im Flug,
wenn der Gyrocopter vorwärts fliegt, der Rotorkopf ist positiv
angestellt, (nach hinten) Die äußere Region des Blattes
erzeugt Auftrieb zu Fliegen und die innere Region liefert die Kraft
zum Drehen des Blattes. Die Region im Bereich der Rotornabe hat
keine Wirkung. Im Horizontalflug findet eine Umverteilung der Autorotativen
Zone statt, das vorlaufende Blatt erzeugt mehr Auftrieb, das nachlaufende
Blatt erzeug mehr Kraft zur Rotation.
Autorotation senkrecht,
wenn der Gyrocopter sich senkrecht nach unten bewegt.
Die äußere Region des Blattes erzeugt Auftrieb zum Fliegen
und die innere Region liefert die Kraft zum Drehen des Blattes.
Die Region im Bereich der Rotornabe hat keine Wirkung weil dort
die relative Windgeschwindigkeit sehr klein ist
Warum fliegen Tragschrauber stabil und sicher?
Der Rotor ist ein Kreisel, Kreisel neigen dazu ihre Lage im Raum
beizubehalten. Wirkt auf einen Kreisel eine Kraft, "weicht
er der Kraft in der Drehebene aus", er präzediert. Das
voreilende Rotorblatt erzeugt mehr Auftrieb als das Rückeilende.
Wäre es kein Kreisel, würde die Rotorebene nach lins kippen
(in der Rotation eilt das rechte Blatt voran).
Wegen der Kreiselwirkung wird der Tragschrauber jedoch vorne angehoben.
Diesem Drehmoment um die Querachse wirkt ein mit zunehmendem "aufbäumen"
ein ebenfalls zunehmendes Gegenmoment der Gewichtskraft entgegen
( Flugzeugrumpf + Pilot + Motor + Leitwerk + Kraftstoff hängen
wie ein Pendel an der Rotorscheibe).
Mehr Schub vom Motor bedeutet mehr Geschwindigkeit = mehr Auftrieb.
Weniger (oder kein) Schub vom Motor bedeutet weniger Geschwindigkeit
= weniger Rotordrehzahl = weniger Auftrieb. Reicht die Rotordrehzahl
nicht mehr aus, die Flughöhe zu halten, geht der Tragschrauber
in einen Sinkflug über: Der Anstellwinkel steigt wieder an,
der Rotor wird auf Drehzahl gehalten. Ein Tragschrauber kann also
niemals "überzogen" werden, er kann gar nicht anders,
als sich seine Fahrt zu holen.
Wann verliert der Tragschrauber seine Stabilität?
Wenn der Rotor in einen negativen Anstellwinkel gerät, die
Summe aus Luftströmung durch die Drehung um die Rotorachse
und Fahrtwind also so sehr "schräg von oben" kommt,
zieht die resultierende Auftriebskraft (bzw. deren Komponente in
Rotorebene) das Blatt nicht mehr nach vorne, sondern nach hinten:
Das Blatt wird also durch die Auftriebs- und die Widerstandskraft
abgebremst, bzw. die Auftriebskraft wird sehr klein im Verhältnis
zur Widerstandskraft oder zeigt nach unten, wie im Bild dargestellt.
Das bremst den Rotor stark ab, unterschreitet der Rotor seine kritische
Mindestdrehzahl, kommt er auch nicht wieder auf Touren und der Pilot
freut sich, wenn er ein funktionierendes Gesamtrettungssystem zur
Verfügung hat.
Es gibt noch einen weiteren, unangenehmen Effekt. Im Normalflug
schiebt der Propellerschub "zwischen" Rotorwiderstandsvektor
und dem Widerstand von Pilot + Rumpf + Fahrgestell. Wird der Anstellwinkel
kleiner, sinkt zunächst auch der Widerstand des Rotors und
geht auch gegen Null. Bei vollem Schub dreht der Tragschrauber also
um das Zentrum seiner Widerstandskräfte: Der Tragschrauber
kippt vorne über. Was schlagartig zu einem (sehr) negativen
Anstellwinkel der Rotorblätter und zu den oben erläuterten,
hässlichen Effekten führt.
Ein Dankeschön an Walter Schmidt, daß wir seinen Artikel
hier verwenden dürfen.
Damit ein ultraleichter Tragschrauber in Deutschland sich auch Tragschrauber
nennen darf, muß er gewisse Bauvorschriften erfüllen.
Wer einmal darin stöbern möchte, hier gibt es sie zum
Nachlesen als pdf-Datei.
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hellblau = Widerstandsvektor
rot = Auftriebsvektor
grün = Resultierende
dunkelblau = anströmenden Luft |

hellblau = Widerstandsvektor
rot = Auftriebsvektor
grün = Resultierende
dunkelblau = anströmenden Luft
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Mittlerer Rotorgeschwindigkeit: 150 m/s
Anströmende Luft bei 140 km/h: 41 m/s
Anströmende Luft bei 20 Km/h: 5,5 m/s
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hellblau = Widerstandsvektor
rot = Auftriebsvektor
grün = Resultierende
dunkelblau = anströmenden Luft
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